23. Juli 2009

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Sexualstraftäter untherapierbare Monster…

„Sexualstraftäter untherapierbare Monster”

Monster zu Menschen

Der Innenminister bastelt an einer „Sexualstraftäterdatenbank”. ÖVP, FPÖ und BZÖ fordern härtere Konsequenzen für Kinderschänder. Sind diese Täter tatsächlich unverbesserliche Bestien? Oder selbst arme Menschen, die dringend therapiert werden müssen?

Falter 14/2007 vom 4.4.2007
2007_14Ressort Politik > Kindesmißbrauch
Autor Nina Horaczek
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Hermine Reisinger hat jeden Zeitungsartikel fein säuberlich ausgeschnitten und gesammelt. Nun stellt sie ihr Gesamtwerk ins Netz: „496 entlassene tickende Pädokriminelle” hat die 55-jährige Gründerin einer Selbsthilfegruppe für Missbrauchsopfer aus Zeitungsmeldungen filtriert und auf www.gegensexuellegewalt.at veröffentlicht. Doch am liebsten hätte Reisinger, dass nicht nur die Gefängnisstrafen für Sexualstraftäter erhöht werden, sondern dass der Staat auch die Namen aller Täter veröffentlicht.

  • „Dann wüssten die Eltern zumindest, dass der Nachbar ein Pädo ist und könnten ihre Kinder schützen”, findet Reisinger.

Zwar nicht ganz so radikal, wie Reisinger es gerne hätte, aber in eine ähnliche Richtung gehen die Vorschläge von Innenminister Günther Platter (ÖVP). Der Minister hat eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet, die bis zum Sommer ein Konzept für eine Sexualstraftäterdatenbank erstellen soll. Parallel zur Kinderschänderdatei fordern ÖVP, FPÖ und BZÖ nun höhere Gefängnisstrafen.

  • „Es gilt das Motto ,null Toleranz’ für Sexualstraftäter”, sagt Platters Sprecherin Michaela Huber, „und es ist eine Forderung des Ministers, dass der Kreis der Personen, die künftig Zugang zu Informationen über Sexualstraftäter erhalten dürfen, erhöht werden soll.”

Angedacht ist auch ein Berufsverbot für Kinderschänder, „etwa dass ein Lehrer nicht mehr unterrichten darf, wenn er dabei erwischt wurde, dass er Kinderpornos konsumiert hat.”

Noch sind die meisten der von Politik und Boulevard als „Monster” bezeichneten Männer - rund 500 von ihnen stehen jährlich vor Gericht - aber nicht am Pranger,

  • sondern in einem barocken Schloss nahe Hollabrunn untergebracht.
  • Pferde grasen auf einer Koppel,
  • Entenbabys schwimmen hinter ihrer Mutter über den Löschteich, gleich neben dem Gefängnis,
  • an der Hauptstraße des kleinen Dörfchens sitzen die Kinder in der Volksschule.
  • Nur hohe Betonmauern samt Wassergraben und doppeltem Eisentor und ein Wachturm lassen erahnen, dass es sich bei den Schlossbewohnern um ziemlich harte Burschen handelt.

Denn die Justizanstalt Sonnberg

Sanatorium Sonnberg für Kinderschänder...

Sanatorium Sonnberg für Kinderschänder...

hat sich auf die Behandlung von Sexualstraftätern spezialisiert. Momentan sind dort von den ungefähr 350 Häftlingen rund siebzig wegen eines Sexualdelikts inhaftiert. Zwischen dem Sechs-Uhr-Wecken, der Arbeit in einem der verschiedenen haftinternen Betriebe und Bewegung im Freien absolvieren sie hier:

  • Gruppentherapien,
  • Einzelgespräche mit Therapeuten,
  • Module wie „Deliktbearbeitung”,
  • „soziale Kompetenz” oder
  • „Alkoholmissbrauch”.
  • So mancher Sexualstraftäter darf bei guter Führung sogar alleine zum Therapeuten nach Wien fahren.
  • „Bei solchen Freigängen sind sie aber unter ständiger Kontrolle”, beruhigt Anstaltsleiter Thomas Binder.
  • Die Therapie basiert auf Freiwilligkeit.

Sonnberg ist aber natürlich schon ein bisschen bösartig”, sagt der Anstaltsleiter, „wir können zwar niemanden zwingen, aber wir koppeln eine Therapie mit Hafterleichterungen, um einen positiven Ansporn zu bieten.

” Wer fleißig an seinem Problem arbeite, bekomme auch

  • eher Ausgang oder
  • andere Erleichterungen im Haftalltag.
  • Prinzipiell gelten die Kinderschänder als problemlose Häftlingsgruppe.

„Sie haben meist eine ausgezeichnete Führung und sind auch gut in die Gesellschaft zu integrieren, weil sie meist eine gute Ausbildung und eine gute Einstellung zur Arbeit haben”, erzählt der Gefängnisdirektor,

„wir haben oder hatten hier Männer aus allen Gesellschaftsschichten,

  • vom Schuldirektor
  • über den Primararzt,
  • den Priester
  • bis zum Hilfsarbeiter.”

Und überdies solle man sich Sexualstraftäter nicht als Bestien vorstellen, die ihren Opfern in den Parks auflauern, sondern es handle sich meist um ganz normale Familienväter oder Onkel.

Schließlich fallen zwischen achtzig und neunzig Prozent der Missbräuche im familiären Umfeld vor. „Statistisch gesehen lauert die größte Gefahr also im eigenen Zuhause”, sagt Binder.

In Sonnberg müssen sich die Kinderschänder dann dem stellen, was sie meist in den eigenen vier Wänden verbrochen haben.

„Manche Männer erzählen, dass sie ihre Kinder abgerichtet haben wie Hunde:

  • Sie haben sie so lange manipuliert,
  • bis die Kinder behauptet haben,

dass sie Sex wollen”, erzählt der Psychologe Jonni Brem, der Sexualstraftäter im Gefängnis und ambulant in der Männerberatung in Wien behandelt.

Andere wiederum würden behaupten,

  • ihre kleinen Kinder hätten sie verführt,
  • weil sie immer wieder nachts ins Elternbett gekrabbelt seien.
  • In der Gruppe mit anderen, die das gleiche Verbrechen begangen haben, gäbe es aber kein Durchkommen mit solchen verzerrten Wahrheiten, meint Brem:

„Während Therapeuten nie selbst erlebt haben, was diese Männer taten, sind die anderen Täter Spezialisten und weisen den Täter hartnäckig und schonungslos darauf hin, dass seine Schilderungen nicht stimmen können.”

Da würde es schon vorkommen, dass einer sagt: „Wir glauben dir nicht, du hast behauptet, du hättest mit dem Mädchen nur zweimal Kontakt gehabt und trotzdem mit ihr geschlafen.

Es dauert doch viel länger, bis du ein Kind so weit hast, dass du Sex mit ihm haben kannst!”

Als Einstieg in die Gruppentherapie muss jeder Mann erzählen, was in ihm vorgeht, was er getan hat und wie lange er welche sexuellen Übergriffe gesetzt hat.

„Wir haben dabei manchmal den Eindruck, dass wir es nicht mit Erwachsenen, sondern mit pubertierenden Jugendlichen zu tun haben”, sagt Brem.

Sobald etwa ein anderer Gruppenteilnehmer sie kritisiere, werden sie zornig und trotzig. Auch die „normalen” Gefangenen reagieren manchmal grantig auf die „Perversen”, erzählt Gefängnisdirektor Binder.

„Es gibt immer wieder den Vorwurf, die Sexualstraftäter werden bevorzugt, weil sie so viel Therapie kriegen.

Und in der internen Gefängnishierarchie unter den Gefangenen stehen diejenigen, die ein Kind missbraucht haben, natürlich an allerletzter Stelle.”

Die Statistik gibt dieser Bevorzugung derer, die nicht nur in der Häftlingshierarchie, sondern auch in der Gesellschaft als Abschaum gelten, aber recht:

Schon ohne Therapie liegt die Rückfallswahrscheinlichkeit von entlassenen Sexualstraftätern bei fünf bis zwanzig Prozent.

Bei anderen Strafdelikten landen hingegen rund 34 Prozent wieder vor dem Richter.

„Und mit ausreichenden Ressourcen und professioneller Arbeit können wir die ohnehin geringe Rückfallsquote nochmals um fünfzig Prozent verringern”, meint Reinhard Eher, Leiter der zentralen Begutachtungsstelle für Sexualstraftäter in Floridsdorf.

Rund siebzig Prozent aller Sexualstraftäter lernt Eher persönlich kennen.

Die besonders heftigen Fälle kommen nämlich für zwei Wochen nach Floridsdorf, wo sie von zumindest drei Spezialisten begutachtet werden.

Eine Garantie, dass jemand geheilt ist, kann aber auch Eher nicht abgeben:

Wir bilden nur Wahrscheinlichkeiten ab, das heißt, wir können sagen,

die Tätergruppe A hat ein hohes oder niedriges Rückfallsrisiko.

Wir können aber nicht vorhersehen, ob der Herr X aus der Gruppe A

in zwei Jahren wieder ein Kind missbrauchen wird.”
Was die Wissenschaft weiters nicht weiß, ist, wieso manche Männer Kinder missbrauchen und andere nicht. „Ein Sexualstraftätergen gibt es sicher nicht”, sagt die Psychotherapeutin Christine Bodendorfer, die vor mehr als 17 Jahren die erste Beratungsstelle für sexuell missbrauchte Mädchen und Frauen in Wien mitbegründet hat und seit etwa einem Jahr auch mit jugendlichen Sexualstraftätern arbeitet.

Sehr wohl gebe es aber bestimmte Faktoren wie etwa ein oftmaliger Wechsel von Bezugspersonen in der Kindheit, vermehrt Gewalt in der Familie oder ein Aufwachsen in einem hochsexualisierten Umfeld, wo etwa die Eltern sich mit den zehnjährigen Kindern Pornos ansehen. „Ich habe aber auch Missbraucher kennengelernt, die gar nicht in dieses Schema passen und in deren Biografie es keinerlei Erklärungspunkte für ihre Taten gab”, sagt Bodendorfer.

In den vergangenen Jahren habe auch das Internet die einschlägige Szene verändert, meint der Psychiater Brem.

„Früher waren es einzelne Trafikanten, die Kinderpornos unter dem Ladentisch gehandelt haben, es gab Szenetreffpunkte etwa

  • in Bädern oder
  • im Prater, die der Polizei bekannt waren,
  • die Szene war überschaubar.”
  • Durch die Kinderpornografie im Netz habe sich die Szene nicht nur vergrößert, sondern auch verändert.
  • „Es sind dann plötzlich die netten Familienväter, die leitenden Angestellten in hoher Position, die sich nachts, wenn Frau und Kinder schlafen, Kinderpornos im Netz ansehen und sich dabei einen runterholen.”

Manchmal sei es aber bei aller Grausamkeit ihrer Taten auch schwer auszumachen, wer Täter und wer Opfer ist, meint der Psychiater Eher.

„Wir haben Jugendliche, die kommen aus dem Schlafzimmer, in dem sie der Vater gerade vergewaltigt hat, heraus und marschieren sofort runter zum Spielplatz, wo sie selbst ein Kind vergewaltigen.”

Eher weiß aus seiner Arbeit aber auch, dass es immer wieder Fälle gibt, wo sich Opfer, die als Kind missbraucht worden sind, das Leben nehmen.

Trotzdem kann er der Forderung nach höheren Strafen wenig abgewinnen.

„Je länger die Haftzeit, desto schlechter werden die Chancen einer Therapie”, sagt der Leiter der Sexualstraftätermeldestelle.

Man sollte sich stattdessen überlegen, ob es nicht Sinn machen würde, bei einer bestimmten Gruppe von Tätern die Beobachtungszeit in der Freiheit zu verlängern.

Auch was die Freilassung von Sexualstraftätern betrifft, sei die Situation in Österreich paradox, findet Eher:

  • „Nur wenn jemand vorzeitig aus dem Gefängnis kommt, kann man ihn zu einer Therapie während der Bewährungszeit verpflichten.” Wer aber die ganze Haftzeit absitzen muss, könne zu keinerlei weiterführender Maßnahme gezwungen werden.
  • Auch Bodendorfer ist vorsichtig, wenn es um längere Haft geht.
  • „Da landet man schnell im populistischen Lager, wo es heißt ,die gehören alle lebenslang eingesperrt’”, meint die Psychotherapeutin.
  • „Wenn man sich aber auf der anderen Seite ansieht, dass für sexuellen Missbrauch, bei dem es zu keinem Vaginal- oder Analverkehr gekommen ist, die Mindeststrafe bei einem halben Jahr liegt, dann zeigt das schon, dass die gesellschaftliche Bewertung dieses Verbrechens im Vergleich zu Eigentumsdelikten nicht sehr hoch ist.”
  • Handlungsbedarf sieht die Psychotherapeutin in der Tatsache, dass nur ein Bruchteil aller angezeigten Sexualdelikte vor Gericht landet.
  • „Meist steht bei Missbrauch von Kindern und Jugendlichen Aussage gegen Aussage. Dann hat man schon bei den polizeilichen Vorerhebungen auf der einen Seite ein Kind, das etwas unklar oder verwirrend erzählt, und auf der anderen Seite steht ein eloquenter, gut vorbereiteter Erwachsener.”

Als Psychotherapeutin würde sie sich wünschen, dass den Gutachtern mehr Zeit gegeben würde, sich mit den betroffenen Kindern auseinanderzusetzen. „Wenn ich ein Kind zehn Stunden lang diagnostisch begutachten könnte, wäre es möglich, Vertrauen aufzubauen und ein wesentlich differenzierteres Gutachten zu erstellen.” Denn die Täter würden in den allermeisten Fällen alles abstreiten, „nicht zuletzt, weil mangels eindeutiger Beweise und nur aufgrund der Aussage eines Kindes die Chance davonzukommen, sehr groß ist.”

So war es auch bei Hermine Reisinger, die nun im Netz für die Veröffentlichung der Täternamen kämpft.

Als die mittlerweile erwachsene Frau im Jahr 1968 selbst ihren Peiniger vor Gericht brachte, wurde dieser freigesprochen.

„Mein Pflegevater hat dem Richter nämlich gesagt, er habe mich ja nur zwischen sechs und elf missbraucht, also könne ich nicht als Zwölfjährige von ihm schwanger geworden sein.”

Berechtigung dieses Text hier zu veröffentlichen bekommen!

Quelle: www.falter.at Ausgabe: 14/2007 vom 4.4.2007

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Dazu gibt es aber andere Zahlen und Prozentsätze aus Langzeitforschungen!

Sexualstraftäter 80% Rückfallsquote…
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In den USA wollte man sogar eine Statistik die die Tasachen aufzeigt unbedingt verhindern!

USA - Studie an KINDERSCHÄNDERN…
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