28. März 2010

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SEELENMORD und ein Mantel …

Seelenmord und ein Mantel des Schweigens…

Seit Jahren engagiert sich die Villacherin Hermine Reisinger für Opfer von sexuellen Misshandlungen. Ein langwieriger  und zermürbender Kampf, der auch mit ihren Erlebnissen in der Kindheit verwurzelt ist.

Gudrun Tengg

VERTUSCHEN UND VERLEUGNEN  fördert KINDERSCHÄNDER...

VERTUSCHEN UND VERLEUGNEN fördert KINDERSCHÄNDER...

Das Leben ist voll von Widersprüchen und manchmal stellt sich den Laien die leise, naive Frage: Wie tickt sie, die Gerechtigkeit?

Eine Überlegung, mit der sich auch Hermine Reisinger konfrontiert sieht.

Seit Jahren gilt das Engagement der 58 Jährigen den Betroffenen von sexuellen  Misshandlungen. Sie kämpft gegen das SCHWEIGEN, will aufrütteln, einen ehrlichen Umgang mit dieser Thematik schaffen. Ein sprichwörtlicher Kampf gegen Windmühlen, wie es bereits ein Streifzug DURCH IHRE Kindheit belegen kann.

TABUISIERTE MISSHANDLUNG

So stellt sich ihr die Frage nach Gerechtigkeit auch dann, wenn sie zurück blickt, in ihre Vergangenheit eintaucht. Damals, im Jahr 1951, begann ihr Martyrium, kam das ledige Kind mit sieben Monaten zu Pflegeltern, in einen Ort in Oberösterreich.

Jahre später, 1968, verlor sie mangels Beweisen und Verjährung einen Prozess: Anklage gegen die Pflegefamilie wegen Abtreibung sowie gegen den Pflegevater wegen Missbrauchs. Sie aber verließ den Gerichtssaal als SCHULDIGE.

Unter anderem lässt sich den Akten entnehmen:

>>…sie machte jedoch auf das Gericht einen verschlagenen, unaufrichtigen Eindruck…<<

Dazwischen, wie sie erzählt, liegen Jahre, in denen sie vom zweiten Lebensjahr an körperlichen und sexuellen Misshandlungen ausgesetzt war.

Mit zehn Jahren vertraute sie sich der Pflegemutter an, ohne Erfolg.

„Wohin will die Gesellschaft?

Wann sagen wir Halt und besinnen uns auf den Schutz der Kinder?”

Hermine Reisinger

Außerdem:

>>Das Kind einer ledigen Frau war nichts wert. Ich war ein verlogener Bastard. Sie  waren aber angesehene Leute. >>

Mit 14  verließ sie das Haus. Als zwei Mädchen zu den Pflegeltern kommen sollten bestand sie auf eine Anzeige, um die beiden vor diesem Schicksal zu bewahren, was ihr  auch gelang:

>> Sie waren nur drei Wochen in der Obhut des Pflegevaters.<<

ENGAGENMENT FÜR OPFER

Für Hermine Reisinger gab es danach jedoch keine Therapie, nur das Erziehungsheim. Was blieb? Ein Leben mit Höhen und Tiefen, der Versuch, anderen Betroffenen zu helfen. Seit 2003 betreibt sie eine  Informations- und Aufklärungsplattform im Internet.

Außerdem leitete sie von 1995 bis 2004 eine Selbsthilfegruppe und glaubt in einem Vergleich zwischen 1968 und der Gegenwart zu wissen, dass sich  inzwischen nichts geändert hat:

>>Man hat früher geschwiegen und man schweigt heute.>>

Und:

>>Keiner ächtet die Kinderschänder, sondern wir, die Opfer werden geächtet. <<

Um Misshandlungen vorzubeugen, müssen Eltern aufgeklärt werden.

>>Es kann nicht sein, dass im 21.Jahrhundert Ansichten wie in den 1950ern vorherrschen- lieber vertuschen und verschweigen. <<

ANONYME KINDERSCHÄNDER

Das  Schweigen hat viele Ursachen, ein Gebot dabei lautet auch: den Ruf der Familie zu wahren. Gleichzeitig birgt das Stillschweigen eine große Gefahr:

>>Wir haben 120 Kinderschänder in Villach- in den letzten fünf  Jahren. Ich habe ein Archiv, sammle Berichte.

Niemand weiß, wo sie leben. <<

Für Hermine Reisinger ein unhaltbarer Zustand:

>>Der größte Schutz für Täter ist die Anonymität. Es muss eine Anzeigepflicht her und die Verjährungsfrist abgeschafft werden. <<

Um das Tabu zu durchbrechen muss mit der Sprache aufgeräumt werden:

>>SEXUELLE GEWALT MUSS WIE MORD GEAHNDET WERDEN,

DENN ES IST SEELENMORD, DEN das Kind durchlebt. <<

Hermine Reisinger

>> Man muss alles benennen. Wie es  ist.<<

Ehrlich. So ist für sie bereits die Bezeichnung  >> MISSBRAUCH<< eine Verniedlichung, handelt es sich doch um eine Misshandlung seelischer  sowie körperlicher Natur.

Ein Benennen, das aber auch Drohungen mit sich bringt, wie sie es erlebte. Dennoch, der Schutz der Opfer hat für sie oberste Priorität. Zuviel bleibt heute noch im Dunkeln. >> In der Selbsthilfegruppe waren circa 100 Leute. Davon gab es drei Anzeigen bei Gericht:

  • eine wurde eingestellt,
  • einer bekam 5 Jahre,
  • einer ist freigegangen.

Mit dem Rest ist nichts passiert. << Eine Tatsache die sie wütend macht, nachdenklich stimmt, Fragen aufwirft: >> Das Erschreckende ist, dass der Trend von Kinderschändern hin zu Neugeborenen geht.

WAS KOMMT DANACH, ist meine Frage.

Wohin will die Gesellschaft? Wann sagen wir Halt, Stopp, und besinnen uns auf den Schutz für Kinder?<<

Quelle: Interview  mit mir von Frau Gudrun Tengg www.ktz.at/auszeit -Ausgabe 28.03.2010

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Meine Öffentlichkeitsarbeit 2010
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