11. Juli 2010
Viele Klagen stehen im Raum…
Mehr Vorwürfe gegen Schulbrüder
Im Kirchen-Skandal gibt es immer mehr Fälle.
Der Orden gesteht “inadäquate Erziehungsmethoden” ein, streitet Missbrauch aber weiterhin ab.

Strebersdorf - Schulbrüder Gymnasium und Internate u.a....
Schulbrüder-Gymnasium in Strebersdorf
Das war der sadistischste Erzieher, den ich jemals erleben musste”, sagt ein 51-jähriger ehemaliger Internatsschüler am Samstag im Ö1-Morgenjournal über Bruder Paul Kaiser, der diese Woche vom Dienst bei den Schulbrüdern Strebersdorf freigestellt wurde - angeblich, um “seine Kräfte völlig frei für seine Verteidigung einsetzen zu können”. Auch dieser Ex-Schüler spricht von sexuellen Übergriffen in Strebersdorf, allerdings nicht durch Bruder Paul, sondern durch einen Religionslehrer, der inzwischen gestorben ist.
Wenige Stunden später gibt es eine Stellungnahme der Schulbrüder: Die Bezeichnung “sadistischer Erzieher” könne man nicht nachvollziehen. “Für inadäquate Erziehungsmethoden in der Vergangenheit entschuldigt er sich”, heißt es in der Aussendung. “Wir möchten nochmals betonen, dass Bruder Paul niemals einen Schüler sexuell belästigt oder missbraucht hat.”
Fall Nowatschek

Pater Peter Kaiser bei der Pressekonverenz...
Bruder Paul Kaiser wurde vom Dienst freigestellt.Das sieht Eva Nowatschek anders, denn sie kämpft seit 17 Jahren um Gerechtigkeit für ihren Sohn. Manuel soll im Alter von elf Jahren in der De La Salle Schule in Strebersdorf über mehrere Monate hinweg von insgesamt sieben Mitarbeitern und Geistlichen vergewaltigt und misshandelt worden sein - allen voran von Bruder Paul. Zahlreiche Operationen und Therapien waren seither notwendig - Manuel ist infolge seiner Verletzungen seit seinem 24. Lebensjahr sogar auf Vollinvalididätspension angewiesen.
Unterdessen kündigt Farid Rifaat - er vertritt seit Jahren die Schulbrüder - Zivilrechtsklagen an: “Bei weiteren Beschuldigungen werde ich ein Verfahren wegen Kreditschädigung einbringen. Auch eine Unterlassungsklage steht im Raum.” Auf den Fall Nowatschek angesprochen meint er:
“Die Mutter spannt ihren Sohn ein. Wahrscheinlich geht es nur um’s Geld. Sexuellen Missbrauch hat es zu keiner Zeit gegeben.”

Opfer-Kommissionsleiterin Klassnic
200 Fälle
Waltraud Klasnic Dem gibt Eva Nowatschek gemeinsam mit ihrem Anwalt Georg Zanger nun Konter und will Rifaat und Helene Partik-Pablé wegen wiederholter Ruf- und Kreditschädigung anzeigen.
Partik-Pablé war im Fall Nowatschek Untersuchungsrichterin. “Ich will damit anderen
Betroffenen zeigen, ich fürchte mich nicht, ihr braucht euch auch nicht zu fürchten”, sagt Nowatschek.
Als Vertreterin von SNAP (Survivors Network of those Abused by Priests) betreut sie rund 200 Fälle aus Strebersdorf, von denen sich noch nicht alle bei der Klasnic-Kommission gemeldet haben. Nowatschek glaubt sogar an eine Dunkelziffer von ein paar tausend. “Kindesmissbrauch darf für die katholische Kirche kein leistbares Hobby bleiben“, kündigt Nowatschek die Fortsetzung ihres Kampfes an.
Artikel vom 11.07.2010 08:31 | KURIER | Laila Daneshmandi, Michael Berger
Quelle: www.kurier.at -online 11.07.2010
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