31. Juli 2010

Filed under: Berichte & Artikel,Wie müsste Hilfe aussehen? — here @ 10:08

Mädchen als Opfer….

Mädchen in Heim vergewaltigt

Die Mutter eines vor 25 Jahren vergewaltigten Kindes wandte sich an den KURIER: “Sie wird die Tortur nie vergessen“.

Die Mutter des Mädchens sprach mit dem Kurrier

Die Mutter des Mädchens sprach mit dem Kurrier

Antonia Kofler, Mutter des Opfers, spricht von “ständigen Angst-Schüben”.

In Österreichs Kinder- und Jugendanwaltschaften herrscht Ausnahmezustand.

Denn immer häufiger werden Missbrauchsfälle und gewalttätige Übergriffe an Kindern in staatlichen Heimen gemeldet.

Bis gestern, Mittwoch, wandten sich bundesweit etwa 300 Betroffene an die zuständigen Stellen. Ein Großteil der Fälle gilt jedoch bereits als verjährt.

Mauer des Schweigens

Am Beispiel Wiens ist zu erkennen, dass die Mauer des Schweigens niedergerissen wird. Kinder und Jugendanwältin Monika Pinterits bestätigte Mittwoch zu den 47 Fällen der vergangenen Woche, fünf weitere Meldungen: “Wir untersuchen diese Vorwürfe gerade. 13 der bekannten Fälle wurden von uns der Staatsanwaltschaft übermittelt.” Die Liste der strafrechtlichen Delikte reicht von leichter Körperverletzung bis hin zur mehrfachen Vergewaltigung.

Auch beim KURIER meldete sich eine engagierte, aber völlig verzweifelte Mutter eines Missbrauchsopfers – 25 Jahre, nachdem ihre Tochter im Julius-Tandler-Heim der Stadt Wien vergewaltigt wurde.

Astrid, heute 33 – damals achtjährig, wurde 1985 das Opfer eines 16-jährigen Mitbewohners des Heimes. Weil ihre Mutter Antonia Kofler (59) damals ledig und mit einem zweiten Sohn schwanger war und gleichzeitig in tristen Verhältnissen ihre todkranke Mutter pflegen musste, wurde Astrid vom Jugendamt in das Heim eingewiesen.

Die traumatisierte Achtjährige verschwieg die Vergewaltigung vorerst. In einer Sachverhaltsdarstellung ( liegt dem KURIER vor ) hatte sie “Angst vor Repressalien durch die Erzieherinnen”: “Damit ja niemand meine Blutungen sah, legte ich meine Unterhose mit Papier aus.”

Bei einem kurzen Besuch bei ihrer Mutter sprach sie über die erlittenen Qualen. Mutter Antonia erinnert sich: “Astrid war extrem aufgedreht. Ich dachte, das ist die Wiedersehensfreude. Als ich von der Vergewaltigung erfuhr, war ich wie betäubt.” Frau Kofler ging daraufhin zur Polizei: “Weder dort noch nach der Meldung im Heim wollte man uns helfen. Es gab rundherum keine Unterstützung.”

Knapp zwei Monate später wurde Astrid von Wien ins in das Kinderheim Stiefern am Kamp im Waldviertel verlegt. Dort erlebte Mutter Kofler ihr persönliches Trauma: “Ich erzählte der damaligen Direktorin, sie ist mittlerweile gestorben, von der Vergewaltigung meiner Tochter.” Sie hat mich ausgelacht und gesagt: “So etwas kommt halt in einem Kinderheim vor.”

Seit 1989 lebt Astrid wieder bei ihrer Mutter. Ein Urteil des Bezirksgerichts Wiener Neustadt bescheinigte ihr, nach einer Heirat, “geordnete Verhältnisse”. Doch Astrid, so ihre Mutter, “wird die Tortur nie vergessen”: “Sie konnte jahrelang nur bei Licht einschlafen; länger mit Menschen zusammen zu sein ist auch heute noch unmöglich. An sexuellen Kontakt ist nicht zu denken. Auch Angstschübe kehren immer wieder.”

Die Sprecherin der zuständigen MA 11 (Amt für Jugend und Familie), Gabriele Ziering, bestätigt: “Kinder in Heimen wurden zu einem Großteil in den Familien missbraucht. Diese jungen Menschen werden dann oft vom Opfer zum Täter. Wir kämpfen gegen dieses Problem an.”
Artikel vom 28.07.2010 17:05 | KURIER | Michael Berger

Quelle: www.kurier.at -online 28.07.2010

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