13. Dezember 2010
IM NAMEN DER ORDNUNG”
Hinter Gittern ! Heime als “Gefängnisse”
Gewalt an der Tagesordnung. Historiker Horst Schreiber weist erstmals systematische und strukturelle Missachtung der Menschenrechte in der “Heimerziehung” nach. Ein Opfer ist die Villacherin Hermine Reisinger.
Lisa Kassin
Villach, Innsbruck
Der Missbrauch vollzog sich in den alltäglichen Abläufen von öffentlichen Einrichtungen, vor den Augen anderer Kinder und Erzieher, mit dem Wissen von Eltern und Amtspersonen, mit gesellschaftlicher Billigung und vielfach sogar Anerkennung. Objekte der Gewalt waren Kinder und Jugendliche aus so genannten Problemfamilien, die weitgehend aus den unteren sozialen Schichten kamen.
Quälen, Erniedrigung…

Univ. Doz. Dr. Horst Schreiber, der uns Ex-Kindopfer im März 2010 eine Stimme gab...
“Es geht um Praktiken des systematischen Quälens, Schlagens und der Erniedrigung, die in anerkannten Institutionen der Fürsorgeerziehung bis in die 1980er Jahre ausgeführt wurden”, sagt der Innsbrucker Historiker Horst Schreiber.

Im Namen der Ordnung - Heimerziehung in Tirol
Mit seinem Buch “Im Namen der Ordnung” widmet er sich als einer der ersten Wissenschaftler in Österreich dem Themenkomplex “Heimerziehung” und weist darin eine systematische und strukturelle Missachtung der Menschenrechte nach.
“Man war wie in einem Gefängnis, da man alleine keinen Schritt machen durfte und überall Gitter, die vor dir aufgesperrt und hinter dir wieder zugesperrt wurden. Das waren keine Heime, sondern Gefängnisse”, beschreibt Hermine Reisinger die Erziehungsheime im oberösterreichischen Baumgartenberg und in Schwaz in Tirol.
Die Wahlvillacherin Reisinger war schon als Kleinkind von ihrem Pflegevater vergewaltigt und sexuell missbraucht worden. Als sie mit 16 Jahren endlich den Mut aufbringt, ihren Peiniger anzuzeigen, zweifelt man ihre Aussagen an.
Ausbeutung und Karzer
“Ich fühlte mich vom Jugendamt wie der letzte Dreck behandelt, statt Unterstützung hagelte es Vorwürfe, was ich mir einbilde, einen so guten Pflegeplatz in Verruf zu bringen.” Die Konsequenz: Die Fürsorge steckte sie ins Heim. Beim Prozess völlig im Stich gelassen, nicht einmal der Staatsanwalt engagierte sich, ging es vor allem darum, ob der alte Mann zu einer Vergewaltigung überhaupt fähig wäre.
“Mich hat man unschuldig eingesperrt, weil mein Pflegevater mich misshandelte und die Pflegemutter mich sadistisch quälte.
Die Fürsorge und der Staat Österreich haben mein Leben zerstört.”

Von der Fürsorge dem Staat Österreich der mein Vormund war total im Stichgelassen...
Jahre später las sie in der Zeitung “Ziehvater schändete Ziehtochter, wegen Verjährung freigesprochen”.
“Da war ich retraumatisiert“.
Ausbeutung als kostenlose Arbeitskraft, Karzerhaft bei Widerspruch, keine Möglichkeit einer Ausbildung. Mit Vollendung des 19. Lebensjahrs stellte das Schwazer Heim Reisinger mit 1400 Schilling und dem Aufforderung “Nun mach was aus dir !” vor die Tür.
Heute ist Hermine Reisinger kein Opfer mehr, sondern hilft Opfern. Eine tiefe Wunde ist die Infragestellung ihrer Glaubwürdigkeit, weil sie nicht rehabilitiert wurde, “weder von meinem Vormund der Fürsorge, noch vom Staat Österreich, der mir sämtliche Hilfe verweigert hat.
Bis heute hat sich bei mir noch niemand entschuldigt.”
Reisinger ist eine der Interviewpartnerinen von Horst Schreiber, der morgen sein im Studienverlag erschienenes Buch präsentiert.
Quelle: www.ktz.at -online 13.12.2010
———————————————————————————————–
EINLADUNG zur Buchpräsentation
„ Im Namen der Ordnung- Heimerziehung”
Im Namen der Ordnung – Heimerziehung in Tirol
Herr Univ. Dozent Dr. Horst Schreiber möchte Sie alle recht herzlich zur Buchpräsentation
Im Namen der Ordnung – Heimerziehung in Tirol

Im Namen der Ordnung - Heimerziehung in Tirol
“Im Namen der Ordnung. Heimerziehung in Tirol” einladen,
die am Dienstag, 14.12.2010, 19 Uhr, im Plenarsaal, Maria Thereseienstraße 18, 6. Stock/ Rathausgalerie
Stadt Innsbruck stattfinden wird.
Univ. Doz. Dr. Horst Schreiber der uns seit März 2010 eine Stimme gab…
Das ist im 6. Stock der Rathausgalerie in der Maria-Theresienstraße.
Ich denke bzw. hoffe, dass viele Leute kommen, deshalb ist es
empfehlenswert, ein bisschen früher zu kommen wegen der Sitzplätze.
Die Menschen die mit ihm Kontakt hatten haben alle eine E-Mail bekommen um weiteres darüber zu erfahren, so auch ich!
Wir hoffen dass sich auch interessierte Menschen einfinden und sich auch Experten dort einfinden, denn sie können nur noch dazulernen! Es schadet niemandem dieser Einladung zu folgen, wenn man mit Kindern arbeitet und vielleicht auch Heime heute leitet, oder als Erzieher arbeitet.
Sie können das Buch bei allen E-Book Anbietern im Internet das Buch erwerben und in allen Buchläden bestellen…
Titel:
“IM NAMEN DER ORDNUNG-HEIMERZIEHUNG“
Autor: Univ. Doz.Dr. Horst Schreiber
Das Buch enthält 11 Tatsachen Berichte von Heimkindern in Tirol auch meine!
——————————————————————————————
Seelenmord und ein Mantel des Schweigens….
Seelenmord und ein Mantel des Schweigens…
—————————————————————————————-
Ein Kommentar zu “IM NAMEN DER ORDNUNG””
Kommentare
© 2005-2009 gegensexuellegewalt.at - Impressum







17. Dezember 2010 um 19:55 Uhr
Sehr geehrte Frau Reisinger
Leider habe ich viel zu spät von der Buchpräsentation Horst Schreibers erfahren. Ich gehöre auch zu den Leidensgenossen, die diese schlimmen Erfahrungen in einem Heim durchmachen mussten.
Ich war von 1967 bis 1969 fast 2 Jahre in Kramsach-Mariathal. Jeden Tag wurde uns eingehämmert, dass es zwar “Jugendheim” heißt, aber alle Menschen im Dorf genau wüssten, dass da der absolute Abschaum der Gesellschaft untergebracht wäre.
Was mich heute noch zur Weißglut bringt, ist der Gedanke daran, dass wir unsere Familie nur alle 2 Monate für ganze 3 Stunden sehen durften. Jeder Verbrecher im Gefängnis hat das Recht, öfter seine Angehörigen zu sehen. Die Entfremdung innerhalb der Familie hat sich deshalb leider nie mehr aufholen lassen.
Unsere Briefe, die wir nach Hause schrieben, wurden zensuriert, ebenso die Post an uns Heimkinder.Schrieb man über die Misshandlungen der Erzieherinnen, über Würmer im Essen,stundenlanges knien am Sisalteppich usw., wurden wir gezwungen, etwas geschöntes, den Erzieherinnen genehmes zu schreiben, sonst durften wir nicht ins Bett gehen.
Ich hoffe, dass Sie, ebenso wie ich mein Leben ,gerade zum Trotz, halbwegs gut hingekriegt haben.
Meine Tochter, die ich nach der Scheidung alleine großgezogen habe, ist ein toller Mensch geworden. Sie hat übrigens bei Dr.Schreiber vor 2 Jahren im Abendgymnasium die Matura mit Auszeichnung bestanden.
Ich wünsche Ihnen alles Gute für Ihr weiteres Leben. Und nächste Woche werde ich mir das Buch kaufen.
Herzliche Grüße
Gerda Egger