27. November 2011
Betroffene Heimkinder schreiben Bücher…
Heimskandal: “Schlimmste ist die Einsamkeit”
Zwei ehemalige Zöglinge brachten ihre Erlebnisse in Kinderheimen zu Papier. Sie geben erschütternde Einblicke.

Der Bastard ...von Franz Josef Stangl
Letztes Update am 26.11.2011, 15:13
Absolvierte eine „typische Heimkarriere”: Franz Josef Stangl schrieb sich die Seele frei
Goethe hat ihn gerettet. Franz Josef Stangl, 59, las über Johann Wolfgang von Goethes Höhenangst. Dieser überwand sie, erklomm den Aussichtsturm bei Weimar. “Er wurde mit dem Blick über das weite Land belohnt”, sagt Stangl. “Da dachte ich mir, ich kann auch frei werden, aber da muss ich mich durchschwitzen, das wird nicht leicht.”
Stangl hat sich “durchgeschwitzt”. Vorbei die Jahre, in denen er regelmäßig im “Häf’n” saß, vorbei der Alkoholismus, die Drogen- und Medikamentensucht. “Eine typische Heimkarriere”, wie Stangl befindet.
Er war unter anderem bei Pflegefamilien, von denen er immer wieder ausgerissen ist, dann in einem Jugendheim in Graz. Schließlich wurde der “Schwererziehbare” ins oberösterreichische Kloster Gleink gesteckt.
In seinen beiden Büchern “Der Bastard” und “Der Klosterzögling” berichtet er über diese Zeit. “Jeder Zögling hat das Maximum an dem erlebt, was gerade noch auszuhalten war”, sagt Stangl heute. Prügel, Strafen, Erniedrigung. Von Pflegeeltern, von Ordensbrüdern. Im “Klosterzögling” gibt Stangl einen Dialog zwischen Frau Schiestl von der Jugendfürsorge und ihm wieder: “Dein Vater ein Krimineller von der Veranlagung her, deine Mutter eine Kriminelle von Geburt aus, hast du schon einmal an Selbstmord gedacht?” “Ja, Frau Fürsorgerin. Habe ich.” “Und? Weshalb mangelt es an der Durchführung?”

Wilheminenberg - Oberhauser Helmut...
Wilhelminenberg
Rechnet mit den extremen Erziehungsmethoden der Nachkriegszeit ab: Helmut OberhauserHelmut Oberhauser, 62, hat es nicht Goethe, sondern einem Patienten, der neben ihm im Spital lag, zu verdanken, dass er unter die Autoren gegangen ist. “Der hat von den 50er- Jahren geschwärmt”, sagt Oberhauser. “Er hat gemeint, damals gab es noch Charakter-Menschen.” Das war Oberhauser zu viel. Er wurde in diesem Jahrzehnt von seinem “Nazi-Vater” in der Barackensiedlung in Wien geprügelt und landete zwei Mal im Kinderheim Schloss Wilhelminenberg. “Erzieher Hassan hat mit der Weidenrute so hingeschlagen, dass die Hand aufgeplatzt ist”, erinnert er sich. “Erzieher, ich bitte um gerechte Strafe”, mussten sich die Zöglinge erniedrigen. “Der Hitler hat vergessen, dass er euch erschlägt”, meinte Hassan, ehe es wieder Schläge setzte.
Oberhauser berichtet in seinem Buch “Die blaue Decke” auch über den sexuellen Missbrauch eines zierlichen Buben durch einen Erzieher. “Der arme Bub ist dann auch noch von den älteren Kindern vergewaltigt worden.” Was nicht im Buch steht (Oberhauser: “Die Lektorin wollte das nicht drinhaben”): Durch Löcher in der Wand konnte er mehrmals beobachten, wie Erzieher Mädchen im Duschraum vergewaltigen. “Manchmal wurden sie durch Ohrfeigen und Tritte gefügig gemacht.”
Als er im Jugendamt bekannt geben wollte, dass er verprügelt wird, gibt ihm die Fürsorgerin zur Antwort: “Pass auf, was du sagst, sonst kommst du in psychiatrische Behandlung.”
“Wir waren den Menschen im Weg”, sinniert Oberhauser im Interview über die Brutalität vieler der damaligen Elterngeneration. “Die haben den Krieg hinter sich gehabt und wollten leben. Das waren Ausläufer vom Nazi-System.”
Beide Autoren haben mit ihrer Vergangenheit Frieden geschlossen. Stangl durch jahrelange Therapie, Oberhauser durch seine Familie. “Obwohl ich meine Kinder durch meine Zuneigung fast erdrückt habe.” Stangl erinnert sich: “Das Schlimmste war die Einsamkeit. Ich bin ja auch von den prügelnden Pflegeeltern weggelaufen. Das Gefühl war dann so schlimm, dass ich wieder zurückgekehrt bin.”
Kommission
Am Mittwoch nimmt die Wilhelminenberg-Kommission unter Richterin Barbara Helige die Arbeit auf. Das Gremium soll unabhängig von der Stadt Wien die Missbrauchsvorwürfe klären.
Zöglinge: Bücher über die Zeit im Heim
Franz Josef Stangl Seine bei den Bücher “Der Bastard” (ISBN 978-3-85252-909-7) und “Der Klosterzögling” (ISBN 978-3-85252-381-1) sind im Verlag “Bibliothek der Provinz” erschienen. Jeder Band kostet 24 €.
Helmut Oberhauser Das 740 Seiten dicke Werk des Wieners ist unter dem Namen “Die blaue Decke – Hinrichtung einer Kinderseele” (ISBN 978-3-99003-628-0) im Verlag “novumpro” erschienen und um 25,90 € erhältlich.
Quelle:Â www.kurier.at 27.11.2011
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Weitere Bücher:
Im NAMEN der ORDNUNG... Tiroler Heimkinder und historische Aufarbeitung…

IM NAMEN DER ORDNUNG Dr. Horst Schreiber
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Weitere Lebensgeschichten von betroffenen Menschen:

Anita Ossinger- Sei lieb zu Berndi...
SEI LIEB ZU BERNDI…
Im Jahre 1973 legalisiert der österreichische Staat den Missbrauch an einem Kind. Der zu schwerem Kerker verurteilte Lehrer wird begnadigt und erhält die Erlaubnis, das von ihm geschwängerte 13-jährige Kind zu heiraten; er kann also “ganz legal” den Missbrauch an seinem Opfer über Jahre fortsetzen. – 1976 wird dieser Pädophile sogar als pädagogischer Mitarbeiter im SOS-Kinderdorf in Salzburg angestellt. Zahlreiche seelisch schwer beeinträchtigte Waisenkinder werden somit einem Straftäter anvertraut.
Der österreichische Staat setzt dem ganzen die Krone auf und übernimmt seinen gefallenen Staatsdiener wieder in den Schuldienst. Erst als die Eltern eines ganzen Dorfes gegen den unfähigen Lehrer mobil machen und sich weigern, ihre Kinder weiter in die Schule zu schicken, muss der österreichische Staat reagieren und befördert seinen Schützling in die Frühpension, wo er auf Kosten des Steuerzahlers bis heute ein beschauliches Leben führt. Sein ihm anvertrautes Opfer wurde nach sechsjährigem Scheidungskrieg endlich schuldlos von ihm geschieden.
Dieser lange Leidensweg, vom ersten sexuellen Missbrauch bis zur Scheidung, wird in diesem Buch dokumentiert.
Sei Lieb zu Berndi
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Biografien von betroffenen Menschen…
Biografien von betroffenen Menschen…
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MEIN BIOGRAFIE: TOTE KINDERSEELE Mein Weg zurück ins Leben…

TOTE KINDERSEELE
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