26. Juli 2015

Filed under: Berichte & Artikel — here @ 14:50

Kritik an dem forensischen Therapieerfolg bei Schwerverbrechern…

Kritik

Forensische Psychiater werden von den Vollstreckungskammern der Strafgerichte auch mit Prognosegutachten für Mörder und Täter anderer schwerer Straftaten beauftragt, wenn es um deren vorzeitige Entlassung aus dem Strafvollzug geht. Da diese zu lebenslänglicher Haftstrafe und zu langen Zeitstrafen Verurteilten bei Begehung der Tat psychisch gesund waren, stellt sich die Frage, warum ein Psychiater geeignet sein soll, bei einem nicht psychisch Kranken eine Voraussage zu treffen, ob dieser nach der Entlassung weitere erhebliche Straftaten begehen wird.

Der frühere Präsident des Oberlandesgerichts Wien, Harald Krammer, sagte zur Presse:

„Die Allmacht des Sachverständigen ist ein notwendiges Übel.“

Und: „Der Sachverständige stellt Augen und Ohren des Richters dar. Dort, wo das Wissen des Richters versagt, schaut er durch die Augen des Sachverständigen. Doch wie uns unsere Augen manchmal täuschen, täuschen uns die geliehenen Augen. Das ist fatal.[3] B. Wager (1989)[4] spricht von einer janusgesichtigen Anstaltspsychiatrie. Damit werde einerseits die Frage aufgeworfen, ob die Methoden Erfolg versprechen oder Scharlatanerie sind, und andererseits, ob sie eine gerechte oder eine ungerechte Behandlung darstellen.

Pollähne (1992)[5] beklagt, dass sich die therapeutischen Behandlungsmodelle der forensischen Psychiatrie in einem fortdauernden Experimentierstadium befänden. Es gäbe keine objektivierbaren Behandlungsmethoden. Die im Bereich der sonstigen Medizin verbreitete Behandlung „lege artis“ suche man besonders in der forensischen Psychiatrie vergebens.

In Bezug auf den Fall Mollath schrieb der Journalist Heribert Prantl im November 2012 in der Süddeutschen Zeitung, der Paragraf 63 des Strafgesetzbuches sei ein dunkler Ort des deutschen Strafrechts. Eine Unterbringung in der Psychiatrie wegen vermeintlicher Gemeingefährlichkeit sei für einen Angeklagten schlimmer als jede Haftstrafe. Der auf diese Art Untergebrachte wisse nicht, ob und wann er die geschlossene Institution wieder verlassen könne. Die von Psychiatern erstellten gerichtlichen Gutachten, die die Gefährlichkeit der untergebrachten Personen überprüfen sollen, seien qualitativ oft „miserabel“. Auch seien psychiatrische Gutachter aus Haftungsgründen immer weniger bereit, ein Risiko einzugehen und im Zweifel werde daher eine hohe Gefährlichkeit prognostiziert. Die Anzahl der Personen, die gerichtlich in die Psychiatrie eingewiesen worden sind, habe sich in den letzten zwanzig Jahren mehr als verdoppelt, dies liege auch an der gestiegenen Sicherheitserwartung der Gesellschaft. Die Justiz gebe immer häufiger einem öffentlichen Druck nach, der von ihr „die rasche Entsorgung von Gefahrenquellen erwartet“.[6] Nach der Freilassung Mollaths im August 2013, schrieb Prantl, der § 63 StGB bleibe ein Paragraf, „der in Theorie und Praxis rechtsstaatlichen Ansprüchen nicht genügt“.[7]

Auch der Hamburger Strafverteidiger Gerhard Strate rüttelte mit seinem 2014 erschienenen Buch „Der Fall Mollath – Vom Versagen der Justiz und Psychiatrie“ an den Grundfesten der Profession. Er schrieb: „Das Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth vom 8. August 2006 war ein Unrechtsurteil.

Die Anordnung der Unterbringung durch das Landgericht Nürnberg-Fürth war und ist eine Schande der Justiz in Deutschland, nicht nur in Bayern. Das gilt aber nicht allein für die Strafjustiz, sondern auch für die forensische Psychiatrie, die mit einer omnipotenten Weltsicht jede Regung des Andersseins als „Auffälligkeit“ registriert und zu jeder Einflüsterung von Krankheitsbildern in die Ohren vorurteilsstarker Richter bereit ist.“[8]

In einer Rede, die Gustl Mollath am 14. August 2014 anlässlich der Freilassung von Ilona Haslbauer hielt, sagte er: „Es gibt keine Schuld der Welt, dass ein Mensch verdient hätte, in solchen Anstalten gehalten zu werden. Die Extremumstände sind so schlimm, dass sich kein Bundesbürger ausmalen könnte, was das bedeuten kann. Die Verantwortlichen sind sich selber nicht wirklich bewusst, für was sie verantwortlich sind. In einem Land mit der besonderen Geschichte wie die Bundesrepublik Deutschland, dass man sich solche Umstände und Zustände erlaubt, ist unglaublich. Grenzenlos ist es möglich, Menschen ihrer Freiheit zu berauben, grenzenlos ist es möglich, Menschen zu quälen, Tag und Nacht. Es ist keine Änderung absehbar. Man will nur vorspiegeln, den Sinn dieses Unsinns. Man ist ausgeliefert einer Willkür sondersgleichen. Es hilft Ihnen niemand. Es war reines Glück in meiner Sache, dass Öffentlichkeit über Medien realisiert werden konnte. Es ist schlimmer als lebendig begraben.„[9]

In der Rede, die Ilona Haslbauer anlässlich ihrer Freilassung aus der Forensischen Psychiatrie am 14. August 2014 hielt, sagte sie:

Diese Einrichtungen sind von der Außenwelt abgeschirmte Folterhöllen. Es geht hier nicht um Hilfe, es geht hier nicht um Behandlung, es geht hier nicht um Therapie, sondern es geht um Missbrauch und Ausbeutung Abhängiger, durch private Kliniken.

Es geht um Macht und Profit, mit Hilfe von Sklaverei und Menschenhandel. Hier herrschen aufgrund des Naziparagrafen § 63 StGB, und aufgrund fehlender Kontrollen in diesem rechtsfreien Raum, Gewalt, Willkür, Freiheitsberaubung, Einsperren im Zimmer, Isolation, Zwangsfixierung, Zwangsmedikation. Zwangsfixierungen werden immer noch ohne Beisein eines Arztes und nur auf Anordnung des Pflegepersonals und ohne Gefahr für Sicherheit und Ordnung der Station, nur aus Sadismus und Machtgier gemacht. Die Mindestfixierungszeit war dabei drei Tage, oft aber über mehrere Wochen, ohne dass die Patienten selbständig Essen oder auf die Toilette gehen konnten. Dieser Saustall muss endlich ausgemistet werden. Es ändert sich erst etwas, wenn dieser § 63 StGB endlich abgeschafft wird. Abgeschafft und nicht reformiert, denn jede Reform ist nur Kosmetik durch diejenigen, die gegen diese Auswüchse bisher nichts gemacht haben. Wir brauchen einen Paradigmenwechsel.“[9]

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Forensische_Psychiatrie  Textteil – Copy, am 26.7.2015 entnommen

——————————————————————————————————

Sexverbrechern Urteile in Österreich…
Sexverbrechens- Urteile in Österreich

———————————————————————————————————-


Kommentare




© 2005-2009 gegensexuellegewalt.at - Impressum